Hamburger Probe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Montag, den 17. Oktober 2011 um 15:59 Uhr

Eine Ausarbeitung von "Silverport"

1864 Aufhebung Hamburg'er Silberschmiede-Zunft (Schliemann »Ämterketten« 7.11.1864-11.2.1865, Bd. I, S. 227-241)

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(Erich Schliemann »Die Goldschmiede Hamburgs«, 3 Bände; Hamburg 1985: Vlg. Schliemann & Cie; ISBN 3-88771-005-3)

Silber-Feingehalt in Hamburg war (Schliemann, Bd. I, SS. 62, 63, 69):

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1439 Feingehalt festgelegt auf 15 Lot (937,5) (in Bremen seit 1392 = 15 Lot; in Lübeck seit 1439 = 15 Lot)

1563 ist der Verkauf von 11 lötigem (687,5) Silber strafbar.

1599 [Vereinbarung der ‚Wendischen Städte’ Hamburg, Lübeck, Lüneburg, Rostock, Stralsund, Wismar] = 14 Lot (875).

1630 = »Real-Silber« bzw. »Ordentliche Probe« = 14 Lot 12 Grän (916,625); »Reichstaler-Silber« = 14 Lot 4 Grän (889); »Hamburgische Probe« = 13 ½ Lot (843,75), wegen des Werteverfalls des »Reichstalers« war die absolute Untergrenze auf 13 Lot 1 Quentin (828,125) festgesetzt; Silberwaren mit niedrigerem Feingehalt wurden zerstört.

1667 »Reichsstandard« = 13 Lot (812,5).

1688 Bremer Anfrage in Hamburg und Lübeck (Hamburger Antwort nicht bekannt); in Lübeck: Feingehalt 12 ½ Lot

1707 =12 Lot 3 Grän (760,416) [Dieser Feingehalt wird kurz danach auch in Altona übernommen].

 

 

1760 darf der Feingehalt kein einziges Grän (3,4722) unter 12 Lot (750) sein; und die »Hamburger Probe« soll wieder den »Reichsstandard« von 1667 = 13 Lot (812,5) haben. Den Hamburger Silberschmieden wird der ‚Ausverkauf’ von Waren aus niedrigerem Feingehalt empfohlen; doch die Silberschmiede wehren sich dagegen, da sie sonst gegen viele andere Städte nicht mehr konkurrenzfähig seien, bei denen 1760 ein niedrigerer Feingehalt von nur 12 Lot (750) üblich ist: Berlin, Braunschweig, Bremen, Celle, Frankfurt a. M., Hannover, Leipzig, Lübeck, Magdeburg, Stade ...

Ein 1760 noch niedrigerer Feingehalt von nur 11 Lot (687,5) ist sogar unmittelbarere Konkurrenz, da das der übliche ‚Standard’ der Nachbargebiete ist: Elmshorn, Glückstadt, Itzehoe, Kiel, Plön, Preetz, Rendsburg, Schleswig, Uetersen ...

21. Okt. 1769 = 12 Lot (750).

1792 Erneuerte »Amtsrolle« des Hamburgischen Goldschmiedeamtes, Art. XI: 14 Lot (875) (Schliemann, Bd. I, S. 197)

1845/7 (Berichte der ‘Älterleute’ bei dem S.T. Herrn Amtspatron) »Hamburger Probe« = 11 Lot 12 Grän = .729

20. Jan. 1865 = 11 Lot 12 Grän = .729 (Kommer, SS. 14, 34).

 

Gold-Feingehalt in Hamburg war (Schliemann, S. 62):

1630 »Ungarisches Gold« = 23 Karat 6 Grän = .979

»Kronengold« oder »Hamburger Probe« = halb ‚Rheinisch’, halb ‚Ungarisch’ = 21 Karat = .875

»Rheinisches Gold« = 18 Karat 6 Grän = .771

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Silber-Feingehalt in Altona war:

1667 »Reichsstandard« = 13 Lot (812,5).

1707 =12 Lot 3 Grän (760,416) [Feingehalt wurde kurz danach auch in Altona übernommen; Schliemann, Bd. I, S. 62].

1760 Briefwechsel zwischen dem Rat der Stadt Hamburg und dem der Stadt Altona, nachdem aus Köln ein Hinweis eingetroffen war, dass wieder der »Reichsstandard« von 1667 = 13 Lot (812,5) verarbeitet werden soll. Den Altona’er Silberschmieden wird der ‚Ausverkauf’ von Waren aus niedrigerem Feingehalt empfohlen; doch auch die Altona’er Silberschmiede wehren sich dagegen, da sie sonst gegen viele andere Städte nicht mehr konkurrenzfähig seien, bei denen 1760 ein niedrigerer Feingehalt von nur 12 Lot (750) üblich ist: Berlin, Braunschweig, Bremen, Celle, Frankfurt a. M., Hannover, Leipzig, Lübeck, Magdeburg, Stade ...

Ein 1760 noch niedrigerer Feingehalt von nur 11 Lot (687,5) ist sogar unmittelbarere Konkurrenz, da das der übliche ‚Standard’ der Nachbargebiete ist: Elmshorn, Glückstadt, Itzehoe, Kiel, Plön, Preetz, Rendsburg, Schleswig, Uetersen ...

21. Okt. 1769 Altonaer »Standard« = 12 Lot (750).

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(Kommer, Björn R., Marina Kommer »Lübecker Silber – 1781-1871«, Lübeck 1978: Vlg. Röhmhildt; ISBN 3 7950 0049 1)

Silber-Feingehalt in Lübeck war 1781-1871 (Kommer, SS. 14, 34):

1439 Feingehalt festgelegt auf 15 Lot (937,5) (in Bremen seit 1392 = 15 Lot; in Hamburg seit 1439 = 15 Lot)

1688 Bremer Anfrage beantwortet der Lübecker Rat, dass das Amt Silber Feingehalt von 12 ½ Lot (781,25) verarbeite.

1758 = 12 Lot (750).

21. Okt. 1769 (wie in Hamburg) = 12 Lot (750).

14. Dez. 1866 (Veröffentlichung) = 12 Lot (750).

bis 31. Dez. 1871 = 12 Lot (750).

ab 1. Jan. 1872 = ohne jegliche Beschränkungen.

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(Dettmann, Gerd, Albert Schröder »Die bremischen Gold- und Silberschmiede«, Bremen 1931; S. 18-21)

Silber-Feingehalt in Bremen war 1392-1887 = fast 500 Jahre lang:

13.12.1392 Feingehalt festgelegt auf 15 Lot (937,5) (Hamburg seit 1439 = 15 Lot; Lübeck seit 1439 = 15 Lot)

9.3.1555 = 14 Lot (875) (» ... ys de rath to freden dath solches gelyndert werde up verteyn loth … und sodan upsycht darup hebben, dath darunder nychtes gearbeydet werde, sowol dath up Bargen [Bergen, Norwegen] offt Ysland [Island] edder ander lande gesant wort, alse dath hyr blyfft ... «, S. 51 [Auszug ‚Ratsdenkelbuch’ 1555, S. 447])

1559 »Münzordnung« Kaiser Ferdinand’s verbietet nicht das Verschmelzen von Münzen zu neuem Arbeitsmaterial.

2. Hälfte des 16. Jahrhunderts: Erhaltene Arbeiten haben vereinzelt das »Bremer Schlüssel«-Zeichen.

1606 Erste bekantgewordene schriftliche Vorschriften über die von Meisteranwärtern zu fertigenden Meisterstücke.

1612 Gebot in Bremen, weiterhin nur 14 Lot (875) zu verarbeiten. Aber Oldenburg liess geringer legiertes Silber zu.

1633 11 Meister

1633 Einführung einer jährlich zu Neujahr wechselnden »Bremer Schlüssel«-Punze mit integrierter Jahreszahl; jedoch bis 1931 auf Objekten nicht nachweisbar! Seit 1664-1672, und ab 1683 bis weit in das 19. Jh. hinein wird der »Bremer Schlüssel« von den Meistern selbst geschlagen! Beim Ersatz variierten die Meister die Formen des »Bremer Schlüssel« oft im Detail; offiziell von rechts unten nach links oben, mit nach rechts oben gewandtem ‚Bart’. So gibt es sogar gespiegelte Versionen; vereinzelt auch der senkrechte von »Stade«. Die Schildformen variierten ebenfalls. (Ein einziger Schlüssel als Stadtzeichen kommt ausser in Bremen, in Stade, Soest und Worms [‚Bart’ n. links unt.] vor.)

31.8.1638 Beschluss, dass Meister bei der Probe anwesend sein müssen, und erst dort das Meisterzeichen schlagen.

1653 16 Meister

1664 wird Meistern ‚auf eigene Gefahr’ erlaubt, 13 Lot zu verarbeiten und selbst den »Bremer Schlüssel« zu schlagen!

1667 soll gemäss dem ‚Reichsschluss’ nur 13 Lot (812,5) verarbeitet werden; was nur der Selbstkontrolle unterliegt.

1672 Münzwardein Ernst Krulle wird einziger Wardein – von Meistern geschlagene »Bremer Schlüssel« sind abzuliefern!

1680 Juwelieren u. ‚Freimeistern’ wird eine Krone mit integr. Schlüssel zugeordnet; bis 1931 kein Beispiel vorgefunden.

1683 stirbt Wardein Ernst Krulle – sofort beantragen die Meister, wieder selbst den »Bremer Schlüssel« zu schlagen!

1687 Revision bei den 18 bremischen Meistern: Nur ein Einziger hatte den Feingehalt 12 bis 13 Lot erreicht!

1687 seit der Revision darf Erschmolzenes, oder neues Arbeitsmaterial nicht unter 13 Lot (812,5) sein.

1688 wünscht Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, dass Bremen den Feingehalt auf 13 Lot festlege.

1688 antwortet der Lübecker Rat, dass dort 12 ½ Lot Feingehalt verarbeitet wird; Hamburgs Antwort ist unbekannt.

1711 beschwert sich der Rat der Stadt Hamburg, dass dort ein Bremer Becher mit 4 Lot Feingehalt angeboten wurde!

1716 20 Meister

1719 Antrag 12 Lot, da Altsilber vom Feingehalt 12 ½ Lot sich beim Umschmelzen verschlechtere, wurde abgelehnt!

1737 21 Meister

1760 = 13 Lot (812,5) Erneuerte Verordnung von Kaiser Franz I.; gemäss dem ‚Reichsschluss’ von 1667.

1760 bittet der Rat der Stadt jedoch um Verordnungsbefreiung, da in Bremen und Umgebung 12 Lot verarbeitet sei.

2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgen vereinzelt zusätzliche 12- oder auch 13-Lot Stempelzeichen.

1762 17 Meister

1795 ‚muss’ der Goldschmied H.J. Arensfeld die in der Vorstadt gelegene Werkstatt in die Altstadt verlegen.

1816 Erlaubnis, dass das Amt einen Feingehalt von 12 Lot (750) verarbeitet.

26.2.1817 ‚Neue Rolle’ enthält die Erlaubnis, dass das Amt auch weiterhin den Feingehalt von 12 Lot verarbeiten darf.

1819 11 Meister

1822 17 Meister

1833 wird die nicht in der Altstadt, sondern in der Vorstadt gelegene Werkstatt von M.H. Wilkens inoffiziell ‚geduldet’.

1858 Feingehaltskennzeichnung soll statt in Lot, in Promille sein; bei M.H. Wilkens seit Febr. 1876 = 750, Halbmond.

1861 Auflösung des »Amtes der Bremer Gold- und Silberschmiede«.

ab 1861 bis 31.12.1887 = keine Beschränkungen. Danach, ab 1.1.1888 vorgeschriebener Mindestfeingehalt = 800

 

Gold-Feingehalt (Dettmann, Gerd, Albert Schröder »Die bremischen Gold- und Silberschmiede«, 1931; S. 18-21, 47-48)

13.12.1392 = 18 Karat = .750 (S. 15 [18 Karat Goldarbeiten und Handel war nur den ‚Amtsmeistern’ erlaubt], S. 18)

30-jähr. Krieg nach Bremen geflüchtete Goldschmiede: ‚Freimeister’; sie dürfen aber nur unter 18 Karat arbeiten!

1680 Juwelieren und ‚Freimeistern’ wird eine Krone mit integr. Schlüssel verordnet; bis 1931 kein Beispiel bekannt.

1816 = 14 Karat = .583 (s.S. 19)

26.2.1817 = 19 Karat = .792 (Dettmann, Schröder »Die bremischen Gold- und Silberschmiede«, 1931; s.S. 48) ====================================================================================

Münzverfassung zum 1. Januar 1858

Im Herzogtum Braunschweig war am 1. Oktober 1855 das Zollpfund zu 30 Lot eingeführt worden. - Gemeinsam mit den Regierungen in Hannover, Oldenburg, Schaumburg-Lippe, Bremen und Hamburg wurde die Einführung des Zollpfundes zu 500 g als allgemeine Gewichtseinheit zum 1. Juli 1858 beschlossen. Die Gewichtseinheit Pfund zu 500 g war durch das Gesetz vom 17. Mai 1856 bereits in Preußen eingeführt und entsprach 1,069.063 Pfund (1 Pfund gleich 2,209,158 Lot) des bisherigen hannoverschen, braunschweigischen, oldenburgischen und schaumburg-lippischen Landesgewichts. Zwischen dem Zollverein und Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein war ein Münzvertrag abgeschlossen worden. “Das Pfund, in der Schwere von 500 g” war nun bei allen Münzstätten das ausschließliche Münzgewicht. “Der Feingehalt wird in Tausendteilung ausgedrückt. Bei der Bestimmung des Feingehalts der Silbermünzen soll überall die Probe auf nassem Wege angewendet werden.” An der Silberwährung wurde festgehalten.

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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 17. Oktober 2011 um 17:15 Uhr